MIMI LANGRAF –
MALEREI GEPRÄGT VON MUSIK UND LITERATUR

Die zentrale Auseinandersetzung des Menschen und des ihn umgebenden Umfeld in ihren Werken wird abermals verstärkt durch die intensive Vertiefung mit Musik und Literatur ihrer Zeit. Diese Inspiration ist in vielen Bildern sichtbar und durch persönliche Korrespondenz mit bedeutenden Musikern und Literaten ihrer Zeit auch belegt und ist das Thema der vorliegenden Ausstellung.

 

03.06.2022 – 25.06.2022

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Titelbild 'Malerei geprägt von Musik und Literatur'

Am 18.06.2022 fand ein Musikabend und am
25.06.2022 ein Literaturabend statt.

 

Die 1896 in Wien geborene Künstlerin Mimi Langraf ist eine wichtige Vertreterin der Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Sie leistet mit ihren grossformatigen Bildern einen entscheidenden Beitrag zur organischen Entwicklung hin zur abstrakten Gestaltungsweise.

 

Ihr Frühwerk ist vor allem von figurativen Naturbildern und gesellschaftlichen Szenen geprägt. Die grosse Vielfalt an Atelierportraits zeigt aber auch ihr reges und stetiges Interesse an der Diversität der Menschen. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts weichen die gegenständlichen Kompositionen und Landschaftsdarstellungen in ihren Gemälden abstrakten figuralen und architektonischen Anordnungen. Die Entwicklung hin zur Abstraktion lässt sich an ihren späteren Werken klar beobachten, sie folgt aber weiter einem klaren Formgerüst und taucht nie ganz in die totalitäre abstrakte Bildwelt ein. Dies steigert die bildinterne Spannung und Lebendigkeit ihrer Gemälde.

Mimi Langraf hat während ihrer gesamten malerischen Schaffensphase nie aufgehört, an den immer wieder neu aufkommenden Kunstströmungen der Zeit geistig teilzunehmen, sich inspirieren zu lassen und auch auf diese Inspirationen und auf das, was sie in ihr ausgelöst hatten, in ihren Bildern zu reagieren und zu antworten.

Die zentrale Auseinandersetzung mit dem Menschen, die Frage nach dessen Existenz und dem ihm umgebenden Umfeld wird in ihren Werken nochmals verstärkt durch ihre tiefgründige Auseinandersetzung mit Musik und Literatur. Diese Inspirationsquellen sind in vielen Bildern sichtbar und durch persönliche Korrespondenz mit grossen Musikern und Literaten ihrer Zeit auch belegt.

Eines der zentralen Werke in der gegenwärtigen Ausstellung ziert den Namen Hommage à Hindemith. Nicht nur die Titelgebung der Künstlerin weist auf die inspirierende Musik Paul Hindemiths hin, welche den Malvorgang ganz offensichtlich begleitete. Die teils spielerische und dann wieder mechanische Musik des deutschen Komponisten wird beinahe hörbar in der sichtbaren Wiedergabe der Musik in den Farben der Bilder.

Es war wohl nicht nur die Musik Hindemiths, welche in seiner frühen Schaffensperiode das klassische Konzertpublikum mit seinen neuartigen Klängen schockierte, sondern die Person selbst, die Mimi Langraf faszinierte.

Seine Musik galt als extrem revolutionär, aber auch als anrüchig, was während der Zeit des Nationalsozialismus zu einem Aufführungsverbot seiner Werke führte. Er setzte immer wieder Zeichen mit musikalischen Aktivitäten an bedeutenden Orten, die seine Solidarität mit den Verfolgten des Regimes ausdrückte. Die als Jüdin geborene Mimi Langraf fand ihre Faszination und Inspiration sowohl in der revolutionären Musik, als auch in der aufständischen Person Hindemiths selbst.

Neben der Musik war vor allem auch die Literatur eine grosse Inspirationsquelle für Mimi Langraf. Die Werke von Guggenheim, Dürrenmatt und Frisch hatten es ihr besonders angetan. Das Kaffeehaus Odeon, der Treffpunkt der grossen Schriftsteller und Künstler ihrer Zeit, war auch ein bedeutender Ort für sie, traf sie sich dort jeden Abend mit ihrem Mann Paul Langraf nach der Arbeit.

Nicht nur widmete Max Frisch diesem speziellen Ort in seinen Tagebüchern ein ganzes Kapitel, auch in Mimis Œuvre findet man ihn in zweifacher Ausführung. Was wiederum Friedrich Dürrenmatt beschreibt im Zusammenhang mit seinen Atelierbesuchen bei Varlin – der den Schriftsteller ja grossartig porträtierte – könnte ebenso gut auf Mimi Langraf gemünzt sein. Sie versucht in ihren Bildern ebenso die Diversität der Menschen und die Beziehung zwischen Maler und der porträtierten Person wiederzugeben. Bei Kurt Guggenheim, dem Schöpfer des Jahrhundertromans ‚Alles in Allem‘, finden wir die Karyatiden, die säulenartigen Frauenfiguren, welche in Mimi Langrafs Werken sowohl in Form von Zeichnungen als auch in Gemälden Eingang fanden. Mit den Frauen, die sinnbildlich die Lasten der Welt auf ihren Schultern tragen, konnte sich Mimi Langraf in vielerlei Beziehung identifizieren.

Eine enge Freundschaft verband sie auch mit Carl Spitteler. Die Frage nach dem Leben und der Existenz der Menschheit beschäftigen ihn in seinen Gedichten. Beide Künstler versuchen sich an den gleichen grossen Fragen der Welt.

Die Ausstellung zeigte verschiedene Werke aus Mimi Langrafs gesamter Schaffensphase auf Papier und Leinwand und soll die Künstlerin als eine Frau der Kultur zeigen, die verschiedene Einflüsse aufspürte, die ihre Malerei geprägt haben.   

— Daria Faerber